Trotz dieser Bezeichnung geht es in den Panamapapieren nicht hauptsächlich um Panama. Es geht in ihnen noch nicht einmal in erster Linie um panamaische Unternehmen. Die illegal gehackt und in der letzten Woche offengelegten 11 Millionen Dokumente beziehen sich hauptsächlich auf geheim gehaltene „Off-Shoreunternehmen“ und überrollen die Welt mit Enthüllungen über die Verletzbarkeit von ungezügeltem Missbrauch der legalen Finanzstrukturen durch die Vermögenden.

Unfairerweise werden diese Dokumente Panamapapiere genannt, weil dieser bestimmte Fund an Dokumenten von einer einzigen Rechtsfirma stammt, die in Panama ansässig ist. Aber das Problem der Steuerhinterziehung ist ein globales Problem.

Panama verdient es nicht, aus einer Reihe von Ländern, die von dieser Plage betroffen sind, herausgegriffen zu werden. Aber wir sind bereit, die Verantwortung dafür zu übernehmen, diesen Missstand festzustellen, teilweise deshalb, weil eine höhere Transparenz letztlich eine Fortführung von Reformbemühungen ist, die wir in der letzten Zeit durchgeführt haben. Die Welt muss mit diesem dringenden Problem gemeinsam fertig werden und Panama steht bereit, um diesen Weg anzuführen.

Die Möglichkeiten, sich zu informieren sind atemberaubend. In den Akten befinden sich Informationen über mehr als 14.000 Banken, Anwaltskanzleien, Personen, die eine Firma als Kapitalgesellschaft eintragen und andere Mittelsmänner aus mehr als 100 Ländern, was nur einen kleinen Teil der weltweiten Industrie darstellt, der Billionen von Dollar Unterschlupf bietet. Dass da mancher das System manipulieren kann, um Vermögen zu verstecken ist nicht nur ungerecht; es schadet auch der globalen Entwicklung durch das Absaugen von öffentlichen Einnahmen, die auch für das Bildungs- und Gesundheitswesen oder die Infrastruktur verwendet werden können.

Entgegen der Behauptungen von Medienberichten schafft Panama nicht besondere Freibeträge für „Off-Shorestrukturen“. Dass Panama mit diesen Off-Shoreaktivitäten in Verbindung gebracht wird liegt daran, dass wir nur Einkommen besteuern, dass sich aus dem Inland von Panama ableitet und nicht von außerhalb, das wiederum unterliegt den Steuerregulierungen der jeweiligen Länder. Diese Regelungen, die auf Gesetzen aus New York und Delaware beruhen und aus dem Jahr 1927 stammen, sind heutzutage üblicher. Obwohl diese Regelungen durch Zusatzregulierungen untermauert wurden, können sie dennoch zu gesetzlich verbotenen Zwecken manipuliert werden.

Unter vorigen Regierungen war Panama zweifelsohne das Ziel für Geldwäsche. Heutzutage verpflichtet Panama sich, alle Transparenzreformen zu übernehmen, um die internationale Gemeinschaft zufrieden zu stellen. In den 21 Monaten meiner Amtszeit hat Panama Schritte unternommen, um die Transparenz und die Strenge des Finanzsystems zu vergrößern. Wir haben ein stabiles Vertragsnetzwerk entwickelt, das den Austausch von Informationen möglich macht. Vorschriften für „Kenne deinen Kunden“ wurden im Wesentlichen nicht nur für Finanz- und Rechtsdienstleister verbessert und ausgeweitet, sondern auch für nichtfinanzrelevante Schlüsselindustrien, die besonders anfällig für Missbrauch sind. Und seit dem Monat Januar dieses Jahres fordern wir von Aktionären aller panamaischen Unternehmen einen Identitätsnachweis.

Ich habe eine Verpflichtung von automatischem Austausch zu Finanz- und Unternehmensinformationen angekündigt und wir haben Schritte vorgeschlagen, von denen wir glauben, dass sie mit den Zielen der internationalen Gemeinschaft übereinstimmen, eingeschlossen der Ziele der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) auf Grundlage ihres Vorschlags für Gemeinsame Berichtstandards.

Diese Reformen sind von der internationalen Gemeinschaft anerkannt und für gültig erklärt worden, unter anderem von der Arbeitsgruppe für Finanzaktionen zum Thema Geldwäsche, die den „bedeutenden Fortschritt“ Panamas beim Kampf gegen Geldwäsche anführte, als sie uns in diesem Jahr von ihrer „grauen Liste“ genommen hat. Die Entfernung von dieser Liste geschah in Rekordzeit.

Unser Finanztransparenzranking bei der Nichtregierungsorganisation Netzwerk für Steuergerechtigkeit hat sich seit 2013 stetig verbessert und wir befinden uns in diesem Ranking oberhalb von Japan, Deutschland und den USA. Auch haben wir sehr positiv bei einigen Überprüfungen der Organisation für Wirtschaftsentwicklung und Globales Forum für Transparenz und Austausch von Steuerinformationen abgeschlossen. Diese Reformen zusammen mit anderen internationalen Bemühungen waren eine kostspielige Angelegenheit.

Aber es ist noch mehr Arbeit notwendig. Angekündigt wurde von mir ebenso, dass Panamas Außenminister ein unabhängiges Komitee von internationalen Experten einberufen wird, um unsere Policen zu prüfen, die besten Vorgehensweisen zu bestimmen und Maßnahmen vorzuschlagen, die mit anderen Ländern geteilt werden sollen um die weltweite Finanz- und Rechtstransparenz zu verbessern. Wir erwarten ihre Ergebnisse innerhalb der nächsten sechs Monate.

Panama wird weiterhin mit anderen Rechtssprechungsinstanzen zusammenarbeiten, um gegen Vergehen vorzugehen, die sich gegen unser Strafgesetzbuch richten und wir werden nach wie vor finanz- und rechtsrelevante Informationen austauschen, um die Regelungen der zahlreichen Verträge zu befolgen, die wir ratifiziert haben. Wir wiederholen noch einmal unsere Bereitschaft, mit der OECD und ihrem Globalen Forum in Dialog zu treten, um Einigkeit über Finanztransparenz zu erreichen, die für unsere Länder eine weitere Wirtschaftsentwicklung bedeuten kann.

Nach einer jahrzehntelangen Diktatur ist Panama nun eine stabile Demokratie geworden, die sich den rechtsstaatlichen Prinzipien verpflichtet fühlt und mehr als 100 transnationalen Firmen die Heimat von regionalen Hauptsitzen bietet. Um unserer demokratischen Entwicklung gerecht zu werden, muss unsere Regierung sich zu Transparenz, Rechenschaftspflicht und Gewaltenteilung verpflichtet fühlen. Unsere Antwort auf die aktuelle Krise wird ein Test unseres Problemlösungsvermögens und unseres Potenzials sein.